Ein Prachtexemplar einer Mistel auf dem Barfußpfad auf der Halde Kissinger Höhe war der Impulsgeber für die Idee zur Skulptur "Der Kuss unter der Mistel"

Wie die Mistel ihren Stamm verlor
Vor langen Zeiten als der alte Weg noch jung war, lebte ein Mistel Baum.
Dieser Baum stand auf einer sonnen-überfluteten Wiese, mächtig und ausladend, spendete Schatten
und Lebensraum für viele Lebewesen.
Die Mistel war für menschliche Maßstäbe schon alt, viele hundert Jahre stand sie nun dort und hatte
viel gesehen und erlebt.
Druiden kamen zu ihr, um sie um Rat zu bitten und sie erteilte diesen Rat.
Sie gab den kleinen Tieren des Waldes Unterschlupf und nährte sie in harten Wintern.
Auch war sie Zeuge als der Fenriswolf überlistet wurde.
Doch eines Tages im Frühling passierte etwas, das auch diese erfahrene Mistel noch nicht erlebt
hatte.
Am anderen Ende der Wiese eindeckte sie ein zartes Grün welches sich in den ersten wärmenden
Sonnenstrahlen des Tages dem Himmel entgegen reckte.
Dort wuchs ein Bäumchen und die Mistel welche Zeit ihres Lebens immer alleine war hatte nun
endlich Gesellschaft gefunden.
Das Bäumchen wuchs im Laufe der Jahre zu einer stattlichen Eiche heran, liebevoll beobachtet von
der Mistel. Sie lehrte der Eiche ihr Wissen vom Wald, vom Zusammenspiel der Welt und von dem
was wirklich wichtig war.
Oft unterhielten sich die beiden wochenlang und sei es nur über die Farbe des Himmels.
So wuchs eine weitere Pflanze heran, die zarte Pflanze der Liebe. Es dauerte nicht lange und eine
tiefe Sehnsucht nach der Umarmung der Eiche packte die Mistel, doch was sollte sie tun?
Sie war ein Baum und Bäume waren von Natur aus zu standhaft um den Ort zu wechseln. So sehr
sie sich auch mühte, sie bekam ihre Wurzeln nicht aus dem Boden gezogen.
Die Mistel versank in tiefer Trauer und rief voller Wut und Verzweiflung nach dem großen Gott. Sie
konnte so nicht weiterleben und wollte ihn nun um Hilfe anflehen.
An einem sonnigen Herbsttag, vernahm sie dann endlich den Klang einer Panflöte, der Gott
verabschiedete sich von den Kreaturen des Waldes und spielte ihnen ein letztes Lied vor seiner
Reise in die Unterwelt.
Als er an der Mistel ankam, brach er das Flötenspiel ab und fragte sie:
"Geliebte Mistel, was ist der Grund deiner Trauer?"
Sie antwortete ihm betrübt: "Pan, was für ein grausames Spiel treibst du mit mir? Mein Geliebter ist
so nah und doch unerreichbar für mich. Ich möchte doch nichts mehr als mich in Liebe mit ihm zu
vereinigen, aber ich kann es nicht."
Pan strich sich über den Bart und antwortete lächelnd : " Ach liebe Mistel, warum bist du nicht
schon viel früher mit deinem Leid zu mir gekommen? Nun, ich werde dir deinen Wunsch erfüllen,
allerdings möchte ich dich um etwas bitten. Ich werde mich heute auf meine Reise in die Unterwelt
begeben, aber wie du weißt werde ich schon bald zurückkehren. Ich möchte meiner Göttin am Tag
meiner Rückkehr ein Geschenk machen und du wirst dieses Geschenk fertigen. Dann werde ich
deinen Wunsch erfüllen."
Mit diesen Worten hob Pan seine Flöte an die Lippen und verschwand während er ein fröhliches
Lied blies.
Die Mistel blieb zurück und grübelte welches Geschenk einer Göttin würdig war und grübelte und
grübelte.
Sie war so beschäftigt, dass sie sogar vergaß ihr Laub abzuwerfen. Tag und Nacht zermarterte sie
sich das Hirn, doch sie fand keine Lösung. Die Tage wurden kürzer und der erste Schnee fiel auf
das Land und sie wusste immer noch nicht wie sie die Göttin beglücken könne. Es war nur noch
eine Nacht bis zur Rückkehr des Gottes. Die Mistel war verzweifelt, denn sie
würde wahrscheinlich nie zu ihrer geliebten Eiche finden.
Sie fing an zu weinen und ihre Tränen blieben wie Perlen an ihren Blättern hängen, doch das blieb
von ihr ungesehen.
So schlief sie ein, in der Gewissheit nie ihre Liebe zu leben.
Am nächsten morgen erwachte die Mistel sehr früh, sie fühlte sich komisch so leicht und luftig.
Auf einmal hörte sie die Stimme der Eiche direkt um sich herum, nah wie nie zuvor.
"Guten Morgen Geliebte ich hoffe du hast gut geruht"
ENDLICH! Sie hatte es geschafft, eng umschlungen war sie in der Krone der Eiche erwacht. Aber
wie?
Als sie sich diese Frage stellte sah sie Gott und Göttin durch den Schnee schlendern und auf ihrem
Haupt trug die Göttin ein Diadem aus weißen Perlen und Mistelblättern.
Seit diesem Tag hat die Mistel keinen Stamm mehr, aber glaubt mir dieses Opfer hat sie nie bereut.

Ich danke Kai Sicker, dass er mir seine Geschichte hier zur Verfühgung gestellt hat!

Text: Kai Sicker

Siehe auch: http://tales-with-coffee.blogspot.de/2009/05/wie-die-mistel-ihren-stamm-verlor.html

Eine wunderschöne märchenhafte Geschichte!

Der Kuss

Idee für die Skulptur

Der Kuss unter der Mistel

 

Der Weiterentwicklung

 

des Projektes folgten

noch weitere Skizzen

 


Computergrafiken


Wohh,ein überwältigender erster Blick auf die fertige Skulptur!